Medizinforen : Arbeits- und Umweltmedizin
Unbekannt
(Unregistriert)
14/01/09 23:03
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TBC Test positiv

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Hallo,
ich bin 22 Jahre alt und mache im Sommer mein Examen zur Krankenschwester.
Ich hatte bereits 2x unbewusst Tuberkulose kontakt und musste zum Test. Der erste Test war im Februar 2008, Interferon Gamma Blut-Test, Ergebnis negativ.
Im Sommer 2008 hatte ich wieder Kontakt zu einem Tbc Patienten, es war nicht bekannt das er Tbc hatte, er war alt und hat viel erbrochen und ist nach 14 Tagen gestorben. Bei der Obduktion ist Tbc in der Lunge festgestellt worden.
Kurz vor Weihnachten 2008 musste ich wieder zum Bluttest. Nach 8 Tagen kam das Ergebnis, positiv. Röntgen war aber o.B.
Der Fall wurde gemeldet und ich bin jetzt irgendwie im Kontrollprogramm. Was heißt das genau? In welchen Abständen röntgen, evt Labor?
Nächste Woche Mittwoch soll ich zu einem Pulmologen bzgl. INH-Prophylxe. Ist die Pflicht? Kann ich sie ablehnen? Wie lange dauert die Behandlung? Wie wird sie überwacht -> BlutkontrollenLeberwerte?

Kann es sein das der Interferon Bluttest falsch positiv war?
Ich habe seit fast 3 Wochen eine Lungenentzündung, die trotz Antibiotika nicht wirklich abheilt, ich hoffe nun nicht, das man das im Röntgenbild sieht. Ansonsten habe ich keine Tbc Symptome.

Ich würde mich über Antworten freuen,
vielen Dank, A.



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Cyberdoktor
(stranger)
15/01/09 01:16
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Re: Tbc Bluttest positiv

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Hallo,

" Krankenschwester. Ich hatte bereits 2x unbewusst Tuberkulose kontakt und musste zum Test."
das kann im Gesundheitssektor in der Tat vorkommen, der Test ist dann überaus sinnvoll. Die Tuberkulose ist eine ernste bakterielle Infektionskrankheit (Auslöser ist das Mycobacterium tuberculosis), die meist die Lungen, aber auch andere Organe befällt und unbehandelt langfristige Verläufe zeigt.


Tuberkulose Bakterien
Mycobacterium tuberculosis: elektronenmikroskopische Aufnahme.
Bild: CDC/ Dr. Ray Butler; Janice Carr


" Der erste Test war im Februar 2008, Interferon Gamma Blut-Test"
der Bluttest zeigt an, Dies zeigt an, dass das Immunsystem im Körper die Tuberkuloseerreger erkannt hat und soll bessere Testergebnisse liefern, als der sog. Tuberkulinhauttest.

"Kurz vor Weihnachten 2008 musste ich wieder zum Bluttest. Nach 8 Tagen kam das Ergebnis, positiv. Röntgen war aber o.B. "
Sie hatten einen Kontakt, der positive Test zeigt nicht, dass Sie auch erkrankt sind, daher kann der Röntgenbefund durchaus o.B. sein.


Lungentuberkulose
Lungentuberkulose: Röntgenaufnahme zeigt beidseitigen Lungenbefall.
Bild: CDC



"Der Fall wurde gemeldet"
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist der feststellende Arzt nach § 6 Abs. 1 verpflichtet, die Erkrankung an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose zu melden, auch wenn ein bakteriologischer Nachweis nicht vorliegt.

"und ich bin jetzt irgendwie im Kontrollprogramm."
richtig so, man will ja kein Risiko eingehen.

"In welchen Abständen röntgen..., evt Labor?"
nach einem positiven Test erfolgen weitere Thoraxröntgenkontrollen in jährlichen Abständen. Gibt es Hinweise auf eine Erkrankung, muss evtl. auch öfter gestestet und geröntgt werden.

Auf tuberkuloseverdächtige Symptome, insbesondere Husten, ist nach einem Kontakt natürlich besonders zu achten.

"Nächste Woche Mittwoch soll ich zu einem Pulmologen bzgl. INH-Prophylxe."
das ist richtig, die Indikation zur Präventivtherapie wird nach individueller lungenfachärztlicher Empfehlung bzw. Begutachtung gestellt. Man wird also nicht automatisch jeden Fall präventiv behandeln, der Arzt wird zunächst Ihren Fall prüfene.

" Kann ich sie ablehnen?"
wenn der Pulmologe die Behandlung anordnet, wäre problematisch, dann dürften Sie evtl. nicht weiter arbeiten. Nach §34 Abs. 1 Nr. 8 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) dürfen Personen, die an ansteckungsfähiger Tuberkulose erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist.

" Wie lange dauert die Behandlung?"
meist wird die Prophylaxe über mehrere Monate durchgeführt.

"Wie wird sie überwacht"
Röntgen, Laborwerte.

"Kann es sein das der Interferon Bluttest falsch positiv war? "
falsch positive Test gibt es in allen Testsystemen, bei Ihnen gab es aber einen Patientenkontakt, das spricht für ein richtiges Testergebnis.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns schreiben, was der Pulmologe sagt bzw. anordnet.

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

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Unbekannt
(Unregistriert)
15/01/09 22:05
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Re Tbc Bluttest positiv

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Vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort
Mittlerweile hab ich mich durch die Richtlinien der Lungenliga gelesen. Dort wird gesagt das die INH Prophylaxe 9 Monate dauert. Das ist ziemlich lang und ich hoffe ich komme irgendwie drum herum.

Ich werde berichten, was der Pulmologe am Mittwoch sagt.

MfG, A.


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Cyberdoktor
(stranger)
16/01/09 00:18
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Re: Re Tbc Bluttest positiv

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Hallo,

"Ich werde berichten, was der Pulmologe am Mittwoch sagt."
wir sind gespannt.

Beste Grüsse

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Unbekannt
(Unregistriert)
21/01/09 12:03
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Re Re Tbc Bluttest positiv

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War heute beim Pulmologen. Eine med. Prophylaxe hält er dringend für angebracht, da mein Tbc Test im Februar noch negativ war und jetzt halt positiv ist nach dem erneuten Tbc Kontakt. Ich soll Isozid comp. 300mg N nehmen, 1Tbl. abends. Dazu müssen in der Anfangszeit wöchentlich die Blutwerte beim Hausarzt bestimmt werden. Nach 9 Monaten Therapie wird noch einmal geröngt.
Obwohl es eine Berufserkrankung ist, läuft es über die Krankenkasse und ich musste 10€ bezahlen und die Rezeptgebühr. Richtig finde ich das nicht, ich kann schließlich nichts dafür, und gesundheitsschädlich ist das Zeug auch.
Zudem muss ich einen 14 seitigen Fragebogen ausfüllen für die Unfallkasse.

Das ganze kann ich aber ablehnen...ich werde mal ein bisschen googlen.


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Cyberdoktor
(stranger)
21/01/09 14:17
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Re: Re Re Tbc Bluttest positiv

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Hallo,

" Eine med. Prophylaxe hält er dringend für angebracht, da mein Tbc Test im Februar noch negativ war und jetzt halt positiv ist nach dem erneuten Tbc Kontakt."
genau das ist der Knackpunkt, er hat völlig recht, wenn ein Test im Gegensatz zu früheren Tests nach einem Kontakt positiv wird, ist diese sog. Konversion durchaus ein Grund, die Sache ernst zu nehmen.

" Ich soll Isozid comp. 300mg N nehmen, 1Tbl. abends. Dazu müssen in der Anfangszeit wöchentlich die Blutwerte beim Hausarzt bestimmt werden. Nach 9 Monaten Therapie wird noch einmal geröngt. "
ganz gewiss ein sinnvolles Vorgehen.

"Zudem muss ich einen 14 seitigen Fragebogen ausfüllen für die Unfallkasse. "
völlig sinnvoll.

"Das ganze kann ich aber ablehnen..."
Warum würden Sie eine Behandlung ablehnen wollen? Sie werden dann ausserdem vom Betriebsarzt evtl. kein grünes Licht für die Arbeit mit Patienten bekommen.

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

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Unbekannt
(Unregistriert)
21/01/09 22:23
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Re Re Re Tbc Bluttest positiv

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Doch ich könnte normal arbeiten, da es so nicht ansteckend ist und hoffendlich noch nichtmal aktiv ist. Die Bakterien sind nur im Blut und es wurden die Stoffwechselendprodukte dieser Bakterien gefunden.
Ich hatte 2008 zwei Kontakte, wann kommt der nächste und das ganze beginnt von vorne? Ich denke ich werde es nehmen und gucken wie ich es vertrage.
Mal sehen was im Arztbrief stehen wird




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Cyberdoktor
(stranger)
22/01/09 00:36
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Re: Re Re Re Tbc Bluttest positiv

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Hallo,

"Doch ich könnte normal arbeiten, da es so nicht ansteckend ist und hoffendlich noch nichtmal aktiv ist...Mal sehen was im Arztbrief stehen wird"
das der Betriebsarzt bzw. Pulmologe keine Ansteckungsfähigkeit sieht, ist wichtig, nach §34 Abs. 1 Nr. 8 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) dürfen ja Personen, die an ansteckungsfähiger Tuberkulose erkrankt oder dessen verdächtig sind (der Verdacht reicht), nicht mit Patienten arbeiten. Nach ärztlichem Urteil muss für eine Fortsetzung der Arbeit eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht zu befürchten sein.

"Ich denke ich werde es nehmen und gucken wie ich es vertrage."
Sie sollten das auf jeden Fall nehmen. Normalerweise sollten Kontaktpersonen mit einer Tuberkulintestkonversion (bzw. einer sonstigen vergleichbaren TB TEstkonversion) mit einer präventiven Chemotherapie behandeln werden ("Tuberkulose am Arbeitsplatz, Gefährdung und Prävention.", Marcel Jost et al., SuvaPro).

Wenn Sie eine etablierte Therapie ablehnen und deshalb später an einer Berufskrankheit erkranken, könnte es sein, das Ihnen von der Versicherung im Haftungsfall gegebenenfalls eine Mitschuld angelastet wird (sicherheitshalber bei der Versicherung nachfragen, bevor Sie eine präventive TBC-Chemotherapie ablehnen).

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

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Unbekannt
(Unregistriert)
22/01/09 15:01
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Re Re Re Re Tbc Bluttest positiv

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Das ganze scheint im KH nicht sehr ernst genommen zu werden. Beim ersten mal musste ich nach 12 Monaten zum Test, jetzt beim zweiten mal wurde ich nach 7 Monaten eingeladen. Nach der Einladung vergehen immer min.2 Wochen bis zum Test. Bis das Testergebnis vorliegt dauerte es bei mir weitere 8 Tage. Der Test war bei mir am 10.12. und gestern war ich beim Pulmologen. Mikrobiologische Untersuchungen wurden nicht gemacht. Eine aktive Tb kann man daher ja gar nicht ausschließen, sie muss ja nicht schon in der Lunge manifestiert sein. Theoretisch dürfte ich also nichtmal arbeiten.
Der Patient im zweiten Fall war vorher auf einer Inneren Station da arbeite ich im Moment auch) und kam dann auf die Onkologie, weil dort Betten für präfinale frei waren. Das Personal der Inneren wurde noch gar nicht getestet.
So ganz sind mir die Gründe für das standardisierte?) Vorgehen nicht klar.

Vielen Dank für Ihre Hilfe,
A.

PS Ein Arzt aus der Inneren Ambulanz meinte zu mir Ich hatte schon zig mal Kontakt mit Tbc, MRSA haben auch 20%. Vielleicht muss man irgendwann gleichgültig werden, sonst kann man unter den herrschenden Bedingungen schlecht arbeiten.


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Cyberdoktor
(stranger)
22/01/09 17:14
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Re: Re Re Re Re Tbc Bluttest positiv

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Hallo,

"Das ganze scheint im KH nicht sehr ernst genommen zu werden. Beim ersten mal musste ich nach 12 Monaten zum Test, jetzt beim zweiten mal wurde ich nach 7 Monaten eingeladen. Nach der Einladung vergehen immer min.2 Wochen bis zum Test...so ganz sind mir die Gründe für das standardisierte?) Vorgehen nicht klar."
das klingt in der Tat wenig standardisiert.

In jeder Klinik sollten nach einer gründlichen Risikoanalyse interne Richtlinien für die Tuberkulose-Verhütung bestehen, die dann auch stets eingehalten werden. Der Tuberkulosestatus sollte bei Eintritt und und anschliessend je nach
Risiko in regelmässigen Abständen bzw. nach Bedarf geprüft werden, nach Kontakten mit Patienten mit infektiöser Tuberkulose sind schnell entsprechende Massnahmen (Untersuchungen, Durchführung einer präventiven Chemotherapie) zu ergreifen. Ein Notfall ist das Ganze zwar nicht (die Inkubationszeit ist mit 4-12 Wochen recht lang), zum Trödeln gibt es aber keinen Grund. Nach einer Exposition ist daher eine Umgebungsuntersuchung durchzuführen, zu der auch eine Tuberkulintestung (oder eine vergleichbare Untersuchung) gehört. Der Tuberkulintest sollte entweder 6 Wochen nach der letzten Exposition oder sofort nach Exposition mit einer Wiederholung nach 2 Monaten durchgeführt werden.

" Eine aktive Tb kann man daher ja gar nicht ausschließen, sie muss ja nicht schon in der Lunge manifestiert sein. Theoretisch dürfte ich also nichtmal arbeiten."
Allgemein gilt: eine Ansteckungsfähigkeit besteht dann, wenn im Sputum vermehrungsfähige Tuberkulosebakterien nachgewiesen werden. Unter adäquater antituberkulotischer Behandlung nimmt die Infektiosität schnell ab, wenn jemand wie Sie nur infiziert wurde, aber noch nicht ansteckend sind, wird durch die Prophylaxe recht gut ausgeschlossen, dass es jemals zu einer Ansteckungsfähigkeit kommen könnte. Von Personal, dass unter Einsatz der Prophylaxe weiterarbeitet, geht also normalerweise keine Gefahr aus.

"Ein Arzt aus der Inneren Ambulanz meinte zu mir Ich hatte schon zig mal Kontakt mit Tbc...Vielleicht muss man irgendwann gleichgültig werden, sonst kann man unter den herrschenden Bedingungen schlecht arbeiten."
Das Risiko ist in der Tat von den aufgenommenen Patienten und den jeweiligen Arbeitsbedingungen abhängig. Generell berichten Studien davon, dass Krankenhausangestellte ein jährliches Infektionsrisiko zwischen 0,12-10 % haben, das ist deutlich über dem der Allgemeinbevölkerung ("Tuberculosis Among Health Care Workers.", N Engl J Med 1995; 332: 92-98).

Das Tuberkulose-Risiko ist für das Personal gering, wenn nur wenig Patienten mit Tuberkulose aufgenommen werden. Eine Infektion erfolgt häufiger auf erstaufnehmenden allgemeinen Stationen, weniger in den spezialisierten Lungenabteilungen, denn dort ist der TBC-Status des Patienten meist bekannt, bzw. es werden entsprechende Schutzmassnahmen eingehalten.

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