Start
>
Foren
>
Arbeits- und Umweltmedizin

Ärztin, schwanger, Mutterschutz?

von DaNi1971 , 16.07.09 10:19
Guten Morgen, bei meiner bisherigen Suche habe ich hier noch nichts entsprechendes gefunden. Ich bin Assistenzärztin, 38 Jahre alt und in der 7 Woche schwanger. Mein Arbeitsvertrag läuft bis zum Ende der Facharztausbildung und die Probezeit habe ich bereits hinter mir. Nun herrscht bei uns wie wohl in den meisten Kliniken) ausgeprägter Personalmangel. Laut MuschG darf ich ja nun eigentlich keine Dienste mehr machen und die tägliche Arbeitszeit darf 8,5 h nicht überschreiten. Dieses stelle ich mir in der Praxis in unserer Abteilung nahezu unmöglich vor, da wir idR. 10-12h tgl. arbeiten ohne regelm.Pause) und jeder, der eher geht, sehr schnell als unkollegial gilt und auch dementsprechend behandelt wird. Manchmal kommt es vor, daß jemand bei uns einen Termin nach der Arbeit hat, und dann schon um 17 h also nach 10 Std. Arbeitszeit) gehen muß, dieses wird untereinander mild ausgedrückt nicht gerne gesehen. Entsprechend wird man dann als unkollegial angesehen und hat zudem ein schlechtes Gewissen. Ich weiß nicht, ob ich solche Kämpfe die ganzen nächsten Monate austragen möchte. Bin eher ein friedlicher Mensch und lege mich ungern mit Kollegen an. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich mich dem alltäglichen Streß dauernd aussetzen möchte ständig Unterbesetzung, einer alleine für Stationen, Notfälle, reguläre Aufnahmen, sonstige Zwischenfälle zuständig...), da diese Arbeitsbedingungen meiner Meinung nach generell auch schon für nicht Schwangere gesundheitsschädlich sind. Wenn man dann wieder alleine dasteht, und für alles gleichzeitig zuständig ist, weil sonst wieder keiner da ist, kann man ja auch unmöglich Pause machen oder sagen, die 8,5 h sind um, ich gehe jetzt. Das könnte ich zumindest niemals, man arbeitet dann ja automatisch immer weiter. Kann man eigentlich ein Beschäftigungsverbot dahingehend erwirken, daß man z.B. nur noch bürokratische Tätigkeiten machen darf Briefe schreiben und Verschlüsselung) und sich aus der täglichen Hektik Stationsalltag, Patientenaufnahme, Notfälle etc.) ganz ausklinken kann?
Und noch etwas es heißt immer, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit ist in der SS verboten. Wie ist es mit Samstagen?

Vielen Dank im voraus

Antwort schreiben

Re: Assistenzärztin schwanger

von Cyberdoktor , 16.07.09 14:46
Liebe Kollegin,

"und in der 7 Woche schwanger."
dann dürfen wir zunächst ganz herzlich zur Schwangerschaft gratulieren.

"Ich bin Assistenzärztin"
egal, ob Assistenzärztin oder Reinigungsfachkraft im Hotel: die Mutterschutzgesetz-Regeln gelten zum Glück für alle Schwangeren. Auch Ärztinnen sind keine endlos belastbaren Übermenschen, die Mutter und das kleine Leben im Bauch müssen vor Belastungen geschützt werden.

"Nun herrscht bei uns wie wohl in den meisten Kliniken) ausgeprägter Personalmangel. "
der aber nicht die Gesundheit einer Schwangeren und ihres Kindes gefährden darf.

"Laut MuschG darf ich ja nun eigentlich keine Dienste mehr machen"
siehe unsere ausführlichen Beiträge oben in diesem Themenblock: werdende und stillende Mütter dürfen nicht in Nachtarbeit(zwischen 20 und 6 Uhr) und nicht mit Mehrarbeit beschäftigt werden. Eindeutiger geht es nicht. Es sind also Dienste zu nachtschlafender Zeit nicht mehr möglich, und das ist auch gut so.

" und die tägliche Arbeitszeit darf 8,5 h nicht überschreiten."
so ist es, siehe oben.

" Dieses stelle ich mir in der Praxis in unserer Abteilung nahezu unmöglich vor, da wir idR. 10-12h tgl. arbeiten ohne regelm.Pause) und jeder, der eher geht, sehr schnell als unkollegial gilt und auch dementsprechend behandelt wird."
bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft ist derartiger Gruppendruck abzulehnen, in Bezug auf Schwangere, die naturgemäss weniger leistungsfähig sind und ein erhöhtes Ruhebedürfnis haben, aber völlig fehl am Platze. Jeder Arzt kennt diesen Gruppendruck, auch in einigen anderen Brachen (z.B. Werbebranche) gehört es zum guten Ton, dass man das Büro nur zum Schlafen verlässt. In der Schwangerschaft muss man aber knallhart auf seinem Recht bestehen, sonst wird es wirklich gefährlich.

" da diese Arbeitsbedingungen meiner Meinung nach generell auch schon für nicht Schwangere gesundheitsschädlich sind."
stimmt.

" Wenn man dann wieder alleine dasteht, und für alles gleichzeitig zuständig ist, weil sonst wieder keiner da ist, kann man ja auch unmöglich Pause machen oder sagen, die 8,5 h sind um, ich gehe jetzt."
daher müssen Sie:

- mit dem Arbeitgeber reden, wenn er ein Beschäftigungsverbot durch den Frauenarzt vermeiden will, muss er Sie so einsetzen, dass das Gesetz exakt eingehalten wird. Kliniken kennen das Problem, es gibt diverse Branchen, in denen eine Schwangerschaft mehr oder weniger bedeutet, das die Arbeitnehmerin ihre bisherige Tätigkeit komplett einstellen muss und ein anderer Arbeitsbereich zugewiesen wird.

- einen Frauenarzttermin vereinbaren, lassen Sie den Frauenarzt bereits vorab die Situation einschätzen.

"Kann man eigentlich ein Beschäftigungsverbot dahingehend erwirken, daß man z.B. nur noch bürokratische Tätigkeiten machen darf Briefe schreiben und Verschlüsselung) und sich aus der täglichen Hektik Stationsalltag, Patientenaufnahme, Notfälle etc.) ganz ausklinken kann?"
der Arbeitgeber kann Ihnen eine andere Tätigkeit zuweisen (z.B. die bei den Kollegen gewiss eher unbeliebte Büroarbeit), bzw. den Arbeitstag so gestalten, dass keine gesundheitlichen Probleme zu erwarten sind (keine Nacht- und Mehrarbeit, kein Kontakt mit Gefahrstoffen, etc. siehe oben) . Generell sind aber weder Patientenaufnahmen noch Notfälle automatisch im Widerspruch zum Mutterschutzgesetz.

"Und noch etwas es heißt immer, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit ist in der SS verboten. Wie ist es mit Samstagen?"
Samstag = normaler Arbeitstag. In Krankenhäusern ist übrigens eine Sonn- und Feiertagsarbeit erlaubt (aber keine Überschreitung der Stundengrenzen, und es muss ein Ersatz-Ruhetag gewährt werden).

Schreiben Sie uns bei Gelegenheit, welche Regelung für Ihren Fall gefunden wurde.

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

Ihr Cyberdoktor-Team

Haben wir Ihnen geholfen? Dann empfehlen Sie uns bitte weiter:
  • twitter
  • facebook
  • facebook


Antwort schreiben

Bereitschaftsdienste in der Schwangerschaft

von Unbekannt , 06.03.11 18:09
Guten Tag,

ich bin in der 12. Woche schwanger und arbeite als Ärztin in Weiterbildung in einer Rehaklinik. In dieser Woche habe ich meinen Chefarzt über die Schwangerschaft informiert, und er hat die Nachricht zum Glück sehr nett aufgenommen. Er hat mich allerdings gebeten, weiterhin am Wochenende Bereitschaftsdienste (über 24 Stunden) zu leisten, damit die Dienstbelastung für die Kollegen nicht zu hoch wird. Ich muß dazu sagen, daß in unserer Klinik im Dienst meist nicht allzu viel los ist. Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl, 24 Stunden als einzige Ärztin in der Klinik zu sein. Falls es mir mal schlecht gehen sollte, wäre nämlich niemand da, der mich schnell vertreten könnte. Ich würde das Problem gerne mit unserem Betriebsarzt besprechen, der ist aber wegen Urlaubs erst wieder in drei Wochen im Haus und mein Chef möchte schon vorher eine Antwort von mir. Könnte ich meinem Chef, dem ich gern entgegenkommen würde, anbieten, z.B. 12-Stunden-Schichten (von 8:00 bis 20:00 Uhr) am Wochenende zu übernehmen? Ist das erlaubt?

Antwort schreiben

Re: Bereitschaftsdienste in der Schwangerschaft

von Cyberdoktor , 06.03.11 20:23
Liebe Kollegin,

"ich bin in der 12. Woche schwanger"
Glückwunsch!

"Er hat mich allerdings gebeten, weiterhin am Wochenende Bereitschaftsdienste (über 24 Stunden) zu leisten, damit die Dienstbelastung für die Kollegen nicht zu hoch wird."
ein fadenscheiniges Argument. Die Klinik ist ein Wirtschaftsbetrieb, wenn zwecks Gewinnmaximierung oder aus Fehlplanung eine dünne Personaldecke besteht, darf man das nicht auf dem Rücken einer Schwangeren austragen.

Das der Chef einer Schwangeren einen Bereitschaftsdienst zumuten will, bei dem der während der Schwangerschaft dringend nötige ungestörte Schlaf unterbrochen werden kann, ist nicht akzeptabel.

Die vom Mutterschutzgesetz vorgegebenen Einschränkungen bestehen nicht ohne Grund.

"Ich muß dazu sagen, daß in unserer Klinik im Dienst meist nicht allzu viel los ist."
wenn die Dienste so harmlos sind, dann sollte es für die Kollegen auch kein Problem sein, während Ihrer Schwangerschaft für Sie einzuspringen. Der Chef nutzte aber nicht ohne Grund das Wort "Belastung", auch ein Dienst mit wenigen Unterbrechungen ist keine Ruhezeit, Sie stellen während Ihres Dienstes dem Arbeitgeber Ihre Arbeitsleistung zur Verfügung.

"Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl, 24 Stunden als einzige Ärztin in der Klinik zu sein. Falls es mir mal schlecht gehen sollte, wäre nämlich niemand da, der mich schnell vertreten könnte."
auch das sind gute Argumente gegen den Einsatz einer Schwangeren.

"Ich würde das Problem gerne mit unserem Betriebsarzt besprechen, der ist aber wegen Urlaubs erst wieder in drei Wochen im Haus und mein Chef möchte schon vorher eine Antwort von mir."
Reden Sie mit Ihrem Frauenarzt, aber eigentlich steht zum Wohle von Mutter und Kind die Anwort bereits fest: Schwangere sollten nicht für Dienstplanengpässe büßen müssen. D.h.: keine Nachtarbeit, nicht länger als 8 1/2 Stunden täglich arbeiten, keine Überschreitung der (Doppel-)Wochenarbeitszeit.

"Könnte ich meinem Chef, dem ich gern entgegenkommen würde, anbieten, z.B. 12-Stunden-Schichten (von 8:00 bis 20:00 Uhr) am Wochenende zu übernehmen? "
Das Gesetz sagt klipp und klar: maximal "8 1/2 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche". Wenn auch nur einer dieser beiden Werte überschritten wird, geht das nicht, und Ihnen geht dringend benötigte Erholungszeit verloren.

Wenn Sie ausnahmsweise mal an einen Arbeitstag ohne jeden Stress und Druck einige Stunden dranhängen wollen und es Ihnen dabei blendend geht, ist das zwar auch nicht erlaubt, je nach Einzelfall aber kein Drama und Ihre Entscheidung.

Ist der Samstag ein zusätzlicher Arbeitstag , d.h. Sie arbeiten Mo-Fr mit voller Stundenzahl und machen dann auch noch einen Samstagsdienst, muss die Stundenzahl in der Vor- oder Folgewoche entsprechend niedriger ausfallen, die gesetzlichen Grenzen für die Arbeitszeit pro Doppelwoche (90 Stunden) dürfen nicht überschritten werden. Bei 8,5 Stunden pro Tag hätten Sie nach 6 Tagen bereits 51 Stunden auf der Uhr, wenn der Dienstplan in Vor- oder Folgewoche wieder so aussieht, ist das 90 Stunden-Limit pro 2 Wochen überschritten.

"Ist das erlaubt?"
12 Stunden pro Tag? Nein.

Haben wir Ihnen geholfen? Dann empfehlen Sie uns bitte weiter:
  • twitter
  • facebook
  • facebook

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

Ihr Cyberdoktor-Team

Antwort schreiben

Anerkennung der Weiterbildungszeiten (Beschäftigungsverbot)

von Unbekannt , 11.02.15 12:21
Hallo

Ich habe eine Frage, die in eine etwas andere Richtung geht, habe aber nirgends eine Antwort darauf gefunden. Ich bin seit 1.1.13 in der WB zur physikalischen Medizinerin. Ab dem 14.1.14 war ich krank geschrieben wegen anhaltender Blutungen in der Früh-SS. Am 27.2.14 bin ich dann direkt aus dem krank ins individuelle Beschäftigungsverbot gegangen. Zum Glück hat sich die Rumliegerei auf dem Sofa gelohnt und ich habe am 23.9.14 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht (schläft gerade auf meinem Arm). Nun ist meine Frage: welche Zeiten zählen noch zur WB-Zeit außer dem einen Jahr, das ich gearbeitet habe? Zählen die knapp 6 Wochen krank (ich war in dem ganzen Jahr davor 2 Tage krank), zählt das BV, zählen die Mutterschutzfristen vor und nach der Entbindung? So, nun schreit die Püppi...

Danke schon mal

Antwort schreiben

Re: Anerkennung der Weiterbildungszeiten (Beschäftigungsverbot)

von Cyberdoktor , 11.02.15 12:45
Liebe Kollegin,

"habe am 23.9.14 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht"
Glückwunsch!

"bin seit 1.1.13 in der WB zur physikalischen Medizinerin. Ab dem 14.1.14 war ich krank geschrieben... Am 27.2.14 bin ich dann direkt aus dem krank ins individuelle Beschäftigungsverbot gegangen... Zählen die knapp 6 Wochen krank (ich war in dem ganzen Jahr davor 2 Tage krank), zählt das BV, zählen die Mutterschutzfristen vor und nach der Entbindung?"
bitte bei einem so wichtigen Thema unbedingt auch telefonisch bei der Landesärztekammer nachfragen (schreiben Sie uns bitte kurz, was man Ihnen dort sagt). Bei der Weiterbildung müssen gewisse Mindestzeiten Berufserfahrung gesammelt werden, Unterbrechungsphasen im Rahmen der Schwangerschaft (z.B. BV, Mutterschutzregelungen) können unseres Wissens nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet werden. Krankschreibungen bis sechs Wochen pro Jahr werden dagegen nicht als Unterbrechung gezählt.

Haben wir Ihnen geholfen? Dann empfehlen Sie uns bitte weiter:
  • twitter
  • facebook
  • facebook

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

Ihr Cyberdoktor-Team

Antwort schreiben