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Arbeits- und Umweltmedizin

Schwangere Ärztin in Praxis+ Grippewelle

von Kateye , 19.02.15 14:13
Hallo,
Ich bin Assistenzärztin in Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin und jetzt in der 12.SSW. Ich arbeite in einer Landarztpraxis und seit geraumer Zeit kommen viele Patienten mit Erkältungs- und Magen-Darm- Infekten. Diese Woche hat der Zustrom an infektiösen Patienten um ein Vielfaches zugenommen. Darunter waren auch 2 Patienten, bei denen ich die Influenza vermute. Im nahegelegenen Krankenhaus wird aktuell wohl tägl. ein Patient mit nachgewiesener Influenzainfektion stationär aufgenommen. Ich bin nicht gegen Grippe geimpft und fühle mich insgesamt bei den vielen Infektionskrankheiten gesundheitlich gefährdet. Meine Frauenärztin sieht dieses als ein Problem , worum sich der Arbeitgeber kümmern muss. Mein Arbeitgeber meint , es sei halt Winter mit den normalen vitalen Infekten. Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, können meine Ängste schon nachvollziehen, aber von frauenärztlicher Seite und von meinem Chef erhalte ich das Gefühl, übertrieben zu reagieren. Es fällt mir schwer, es vernünftig einzuschätzen. Ist ein individuelles kurzfristiges Berufsverbot für den Zeitraum der Grippewelle zu vertreten?

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Re: Schwangere Ärztin in Praxis Grippewelle

von Cyberdoktor , 19.02.15 16:59
Liebe Kollegin,

"in der 12.SSW."
Glückwunsch!

"in einer Landarztpraxis... viele Patienten mit Erkältungs- und Magen-Darm- Infekten."
banale Atermwegs- und Magen-Darm-Infekte sind normalerweise kein Anlass für ein Beschäftigungsverbot. In der Regel kann man sich ja mit den üblichen Hygienemassnahmen schützen.

"Darunter waren auch 2 Patienten, bei denen ich die Influenza vermute... bin nicht gegen Grippe geimpft...Meine Frauenärztin sieht dieses als ein Problem"
ein fehlender Schutz gegen Influenza-Viren kann in der Tat zu einem Beschäftigungsverbot führen, allerdings erst dann, wenn man im Einzugsbereich von einer handfesten Grippe-Welle ausgehen muss, die üblichen amtlichen Informationen nennen hier ausdrücklich Influenza Epidemien ( Werdende Mütter im Krankenhaus (Baden - Württemberg Regierungspräsidium Fachgruppe Mutterschutz ) ). Einzelfälle reichen nicht, die Voraussetzung für ein Beschäftigungsverbot ist, dass das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz signifikant höher ist als außerberuflich im Alltag (z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln).

"worum sich der Arbeitgeber kümmern muss."
wenn Sie die Sache im Auge behalten und in der nächsten Zeit eine dramatische Zunahme der echten Grippefälle beobachten, kann durchaus auch der Frauenarzt ein individuelles BV aussprechen. Siehe Mutterschutz, Beschäftigungsverbot für Schwangere (Häufige Fragen) .

"Mein Arbeitgeber meint , es sei halt Winter mit den normalen vitalen Infekten."
korrekt bezüglich der normalen banalen Infekte. Sollte allerdings eine örtliche Influenza Epidemie auftreten, sieht die Sache anders aus.

"Ist ein individuelles kurzfristiges Berufsverbot für den Zeitraum der Grippewelle zu vertreten?"
ja, aber erst wenn eine Welle und nicht nur Einzelfälle vorliegen.

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