Medizinforen : Allgemeinmedizin
Unbekannt
(Unregistriert)
13/10/02 21:34
|

Nerven Kreuzbein

Antwort schreiben

Hallo liebes Cyberdoktor-Team,

mit Interesse habe ich die Ausführungen zum Thema "Kreuzbeinsyndrom" gelesen.
Bei mir, mänl. 66 Jahre, wurden eingeklemmte Nerven im Kreuzbein festgestellt und dem Krankengymnasten der Befund "Kreuzbeinsyndrom" mitgeteilt. Die Folge dieser geklemmten Nerven war eine Gefühllosigkeit in der rechten Fußsohle, insbesondere nach längerer Belastung (Walking).Eine Operative Behandlung hat der Neurologe ausgeschlossen. Es wurde ebenfalls eine Behandlung nach Voijta (12 Sitzungen) durchgeführt. Der Erfolg lässt nach. Der Neurologe kann mir nicht sagen welche Gymnastik Erfolg verspricht, der Krankengymnast schlägt vor weitere Behandlungen zu verschreiben. Welche Übungen in Ihrer Rückengymnastik sind angezeigt? Gibt es neben der Behandlung nach Voijta noch andere erprobte Methoden? Hin und wieder wird bei Nervenproblemen auf Spurenelemente, Vitamine oder pflanzliche Wirkstoffe in der Werbung verwiesen. Macht das Sinn und wenn ja welche Stoffe könnten helfen?
Vielen Dank im voraus.
Hagen B.




|
Cyberdoktor
(stranger)
14/10/02 03:55
|

Re: Nerven Kreuzbein

Antwort schreiben

Hallo Herr B.,

zunächst ein kurzer Exkurs in die Anatomie: Die Wirbelsäule besteht (von oben nach unten) aus der Halswirbelsäule (HWS) mit sieben Halswirbeln, der Brustwirbelsäule (BWS) mit 12 Brustwirbeln, der Lendenwirbelsäule (LWS) mit fünf Lendenwirbeln, im weiteren aus fünf Kreuzwirbeln und etwa vier Steißwirbeln, die zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr zum Kreuzbein (Os sacrum) und zum Steißbein (Os coccygis) verschmelzen. Die meisten (Verschleiß-) Schäden, wie z.B. Bandscheibenvorfälle oder eine Schädigung der kleinen Wirbelsäulengelenke, finden sich in der unteren Lendenwirbelsäule und im Übergang von der LWS zum Kreuzbein, gefolgt von Bandscheibenvorfällen der Halswirbelsäule. Da Kreuz- und Steißbein verknöchert sind, kann es dort keine Bandscheibenvorfälle oder Nerveneinklemmungen mit Folge von Schmerz- oder Taubheitsgefühlen geben.

Ein Iliosakralsyndrom erscheint nach Ihrer Schilderung zumindest auch eher unwahrscheinlich. Häufigste Ursache von Beschwerden, wie von Ihnen beschrieben, sind Verschleißprozesse in der unteren Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule).

Bei Wirbelsäulenbeschwerden sind neben ggf. anfänglich durchgeführten schmerzstillenden Maßnahmen Übungen zur Stärkung der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur einer der wenigen Wege zur langfristigen Beschwerdelinderung (s.a. Beitrag Wirbelsäulenarthrose). Hierzu müssen Sie allerdings etwas Geduld aufwenden. Ggf. hilft auch ein spezielles Gerätetraining in einem entsprechend qualifizierten Fitnessstudio die Wirbelsäulenmuskulatur zu verstärken (am besten Rücksprache mit einem Orthopäden halten) und/oder der Anschluss an einen Sportverein mit Angebot der Wirbelsäulengymnastik. Ergänzend kann eine regelmäßige sportliche Betätigung, wie z.B. Schwimmen, gepaart mit einer ausgewogenen (v.a. frischen und schmackhaften) Ernährung hilfreich sein. Zusätzliche Vitaminpräparate (angepriesen werden hier insbesondere die B-Vitamine) sind bei einer ausgewogenen Ernährung nicht erforderlich.

Eine Krankengymnastik nach der Vojta-Methode versucht durch Bahnung bestimmter Bewegungsmuster insbesondere auf Lähmungserscheinungen (z.B. bei einer Kinderlähmung oder nach einem Schlaganfall) diese positiv zu beeinflussen. Zur Empfehlung von Übungen, z.B. zum Aufbau der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur, wie in unseren Übungsanleitungen angegeben, ist allerdings zunächst eine klare ärztliche Diagnose – hier durch Ihren Neurologen oder einen Orthopäden erforderlich.

Daher sollten Sie sich durch Ihren behandelnden Arzt und/oder ggf. einen Orthopäden zur Ursache Ihrer Beschwerden und erforderlichen Therapiemaßnahmen – insbesondere zu einem Übungsprogramm – beraten bzw. sich im Anschluss entsprechende Übungen durch einen Krankengymnasten vermitteln lassen. Eine Operation ist bei den von Ihnen beschriebenen Symptomen keinesfalls erforderlich.

Gute Besserung wünscht
Ihr Cyberdoktor-Team
Haben wir Ihnen geholfen? Dann empfehlen Sie uns bitte weiter:






|