Medizinforen : Allgemeinmedizin
blah
(Unregistriert)
22/07/06 15:51
|

Darmschleimhautentzündung?

Antwort schreiben

Hallo!
Ich habe folgende Symptome seit Jahren, nach einer Zeit mit zu viel Drogen und Apokalypse:
Irritationen in der Darmgegend: ein unruhiges Gefühl dort, Krämpfe, Zuckungen, oft sehr stark nachts bzw. morgens,
fühlt sich irgendwie entzündet an (wie eine entzündete Wunde oder ein verbrannter Finger oder so, nur eben in der Darmgegend), manchmal Brennen am After, einhergehend mit starkem Schwitzen und Schlaflosigkeit, (stark stinkende) Blähungen, oft Durchfall, verstärkt nach "größeren" Mengen Koffein oder Alkohol, die ich früher ohne weiteres verkraftet hätte, aber auch zum Beispiel nach (möglicherweise) zu fettigem Essen, eventuell Joghurt (bin mir da nicht sicher, manchmal scheint mir Joghurt auch irgendwie gut zu tun) oder so
allgemeine Schlappheit
Appetitlosigkeit (Ich muss mir wirklich meist das Essen einigermaßen reinquälen, obwohl ich Hunger habe, bin wohl auch dadurch noch etwas schlapper und kaputter)
Ich hab das, so weit ich mich erinnern kann, noch nie so richtig ernsthaft untersuchen lassen, aber auch nicht drauf gedrängt. War halt manchmal beim Arzt, wenn's akut schlimm war und ich das Gefühl hatte, nicht arbeiten zu können (bin jetzt Student, Zivildienst vorbei, kommt nicht mehr vor). Der hat dann immer gesagt blah blah, Magen-Darm-blah blah, paar Tage krank geschrieben, geht wieder weg. Hab mir immer gedacht, dass das irgendwie schon mehr sein muss, weil es eigentlich nie völlig weg geht, aber hatte keine Lust, dem das ordentlich zu schildern, weil es zu anstrengend war.
Das alles habe ich in mehr oder weniger starker Ausprägung eigentlich permanent. Es gibt selten Tage, wo es mir völlig gut geht, schätzungsweise einmal im Monat oder seltener, nie länger als drei Tage oder so.
Was noch oft mit diesem komischen Darmgefühl (zwischen Brennen und Taubheit) einhergeht, ist Angst, Niedergeschlagenheit, Alpträume, irrationale Angst vor Menschen, Blickkontakten, etc. Weiß nicht, ob das jetzt bedeutsam ist. Könnte einfach ein Relikt aus der "apokalyptischen Phase" sein, wo ich psychischen Totalschaden hatte.

Also, wonach klingt das? Darmschleimhautentzündung?

Ach ja, ernähren tu ich mich eigentlich relativ gesund/normal (jeden Tag ein bisschen Obst, fast jeden Tag was warmes, ab und zu ein Brot, ein Joghurt, morgens Müsli, wenn ich's runterkriege...), abgesehen davon, dass ich wohl insgesamt zu wenig esse.


|
Cyberdoktor
(stranger)
23/07/06 20:29
|

Re: Darmschleimhautentzündung?

Antwort schreiben

Hallo,

"Was noch oft mit diesem komischen Darmgefühl (zwischen Brennen und Taubheit) einhergeht, ist Angst, Niedergeschlagenheit, Alpträume, irrationale Angst vor Menschen, Blickkontakten, etc. .... Also, wonach klingt das? Darmschleimhautentzündung?"
Eine blosse Darmschleimhautentzündung ist äusserst unwahrscheinlich. Wir raten zum Besuch beim Hausarzt (schildern Sie ihm offen ALLE Symptome inklusive Vorgeschichte), dann zum gründlichen Checkup, d.h. Ausschluss aller organischen Ursachen.

Wenn dann erneut keine ernste Organerkrankung festgestellt wird, d.h. keine körperliche Ursache für die Symptome Durchfall, Schmerzen, Blähungen, etc. zu finden ist (das würden wir erwarten angesichts Ihrer Vorgeschichte, der Symptome und der Tatsache, dass Sie schon mehrfach beim Arzt waren, ohne dass etwas gefunden wurde), kann ein sog. Reizdarm (Colon irritabile, Reizkolon) vorliegen.

Dies ist eine Darm-Funktionsstörung mit chronischen Beschwerden, die meist nur tagsüber auftreten und oft durch seelischen oder körperlichen Stress oder psychische Probbleme verstärkt werden (Stress schlägt also nicht nur auf den Magen, sondern auch auf den Darm). Bestimmte Getränke, Nahrungsmittel(-Bestandteile) oder ein bestimmtes Essverhalten können die Symtome ebenfalls verstärken.

Es gibt also trotz der dramatischen Beschwerden keine krankhaften Organveränderungen, die Lebenserwartung ist völlig normal. Die Erkrankung tritt oft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, bei bis zu 20% der Bevölkerung, meist sind Frauen betroffen.

Oft kommen (wie bei Ihnen!) zusätzliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Angst (Panik), Schlafstörungen sowie Schmerzen hinzu.

Medikamente (z.B. gegen Durchfall) können nur kurzfristig eingesetzt werden,

Angesichts Ihrer psychischen Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall einen Psychotherapeuten aufsuchen. Ein guter Psychotherapeut kann z.B. dem Patienten auch ganz wichtige Entspannungstechniken beibringen und Hilfe bei der Bewältigung von Stress und bestimmten auslösenden Situationen (der Patient kann auch einige Zeit ein Tagebuch führen und so bestimmte Auslöser identifizieren) bieten.

Weiterhin wichtig ist eine ausgewogene Ernährung nach Ernährungsberatung.
Ausserdem wird von starken Gewürzen, übermässigem Kaffeegenuss sowie Alkohol und Nikotin abgeraten und eine sportliche Betätigung empfohlen.

Ein Behandlungsversuch bei einem entsprechend erfahrenen Arzt lohnt, dann wird über einige Jahre die Hälfte der Patienten mit Reizdarm beschwerdefrei.

Erstmal müssen aber, wie gesagt, per gründlicher Unterschung alle organischen Ursachen ausgeschlossen werden.

Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

Ihr Cyberdoktor-Team
Haben wir Ihnen geholfen? Dann empfehlen Sie uns bitte weiter:






|