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Reisemedizin

Tollwutimpfung

von Unbekannt , 12.10.09 08:52
Hallo,
ich habe am 8.11.2008 die erste Tollwutimpfung mit Rabipur erhalten. Die nächste sollte laut verabreichendem Arzt im Frühjahr erfolgen, an der ich wegen Krankheit nicht Teilnehmen konnte. Bei der Reihenimpfung am 10.10.2009 erkannte der gleiche Arzt das die erste Impfung noch kein Jahr her ist und die Impfreihe fortgesetzt werden kann. Ist dies richtig? Oder muss unbedingt das Impfschema, Tag 0 7 21 eingehalten werden? Dies sind die ersten Impfungen gegen Tollwut, es gibt keine anderen Impfungen gegen Tollwut.

Besten Dank für Ihre mühen, Daniel

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Re: Rabipur Tollwut Impfung

von Cyberdoktor , 12.10.09 22:25
Lieber Daniel,

"ich habe am 8.11.2008 die erste Tollwutimpfung mit Rabipur erhalten."
eine Impfung gegen Tollwut ist sehr wichtig, wenn man beruflich Umgang mit Tieren hat, die an Tollwut erkrankt sein könnten, oder in eine Region mit Tollwutrisiko reist und dabei ein Tierkontakt möglich ist (z.B. bei Abenteuerreisen).


tollwütiger hund
Tollwut: infizierter Hund mit typischem Speichelfluss.
Bild: CDC


Als Infektionsquellen kommen in exotischen Urlaubsländern nicht nur Hunde oder Katzen, sondern auch diverse andere Tiere (z.B. Fledermäuse) in Betracht. Beissen infizierte Tiere einen Menschen, dringt das Tollwutvirus über die Wunde in den Körper ein und wandert im Laufe einiger Wochen in das zentrale Nervensystem. Es zeigen sich dann lebensbedrohliche Symptome wie Krämpfe (Hals- und Atemmuskeln) und Lähmungen (Herz). Neben Atemnot leiden die Patienten an einem starkem Speichelfluss (sind extrem durstig, können aber nicht trinken).

Wird der Patient gereizt (z.B. Licht, Geräusche), kommt es zu Wutausbrüchen (Schreien, Beissen, Tätlichkeiten), dabei besteht dann ein grosses Ansteckungsrisiko für die Kontaktpersonen.

Eine Impfung schützt sicher vor dieser fast immer tödlichen Krankheit. Rabipur enthät inaktivierte (d.h. abgetötete) Tollwut-Viren. Erhält man alle Impfdosen der Grundimmunisierung (drei Dosen, nach einer ersten Dosis folgen 7 und 21 Tage später Dosis 2. und 3.), kann von einem sicheren Schutz für 2-5 Jahre ausgegangen werden.


Tollwut viren
Tollwut-Viren in einer Körperzelle: elektronenmikroskopische Aufnahme. Die Viren haben eine typische Pistolenkugel-Form (grün markiert).
Bild: CDC/ Dr. Fred Murphy, modifiziert v. Cyberdoktor


" Bei der Reihenimpfung am 10.10.2009 erkannte der gleiche Arzt das die erste Impfung noch kein Jahr her ist und die Impfreihe fortgesetzt werden kann. Ist dies richtig?"
stimmt. Das Immunsystem hat die erste Impfung nicht vergessen, wenn man nun die noch fehlenden Impfungen der Grundimmunisierung gibt, ist der Schutz voll gegeben.

" Oder muss unbedingt das Impfschema, Tag 0 7 21 eingehalten werden?"
nein. Man darf diese Mindestabstände aber nicht unterschreiten, impft man nach einer Dosis zu früh mit der Folgedosis, ist das Immunsystem noch mit der ersten Dosis bechäftigt und die erneute Impfung hat keine Wirkung.

Wichtig: kommt es zu einem Tierbiss, muss man trotz Impfung umgehend zum Arzt!

Beste Grüsse

Ihr Cyberdoktor-Team

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Rabipur Tollwut Impfung dritte Impfung zu spät?

von Unbekannt , 14.09.10 11:50
Hallo
Auch ich habe ein Frage zur Tollwutimpfung.
Ich habe die beiden ersten Impfungen am 1.8.09 und 8.8.09 bekommen, konnte aber ebenfalls wegen Krankheit die letzte Impfung nicht bekommen. Kann ich jetzt immer noch an die beiden Impfungen anknüpfen und den Schutz mit nur einer weiteren Impfung vervollständigen oder ist der Schutz der ersten beiden Impfungen inzwischen verfallen?
Vielen herzlichen Dank für ihre Antwort
Sarah

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Re: Rabipur Tollwut Impfung dritte Impfung zu spät?

von Cyberdoktor , 14.09.10 12:47
Liebe Sarah,

"Ich habe die beiden ersten Impfungen am 1.8.09 und 8.8.09 bekommen, konnte aber ebenfalls wegen Krankheit die letzte Impfung nicht bekommen. Kann ich jetzt immer noch an die beiden Impfungen anknüpfen und den Schutz mit nur einer weiteren Impfung vervollständigen "
ja (siehe unsere ausführlichen Beiträge oben in diesem Themenblock), nach Absprache mit dem impfenden Arzt ist das in der Regel problemlos möglich.

Jede Impfung zählt, auch wenn der Abstände zwischen zwei Impfungen länger war. Wird getrödelt, ist man einfach zwischen den Impfungen noch nicht optimal geschützt, nach der letzten vorgeschriebenen Impfung ist dann aber der Schutz vollständig, sogar, wenn diese Dosis z.B. erst nach ein oder zwei Jahren gegeben wird. Das Robert-Koch-Institut bestätigt das: "eine Überschreitung der Abstände ist bei den meisten Impfungen nicht problematisch, verzögert aber den Aufbau der Immunität".

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Beste Grüsse

Ihr Cyberdoktor-Team

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Tierkontakt nach Tollwutimpfung

von dominus58 , 15.10.10 15:43
Hallo Forum,
fliege morgen nach Indien,habe u.a. meine Tollwutimpfung erhalten und nur noch eine Frage
Mein Aufenthalt in Indien beträgt ca. 2 Wochen in denen ich intensiven Kontakt mit Land und Leute bekomme. Wenn ich jetzt von einem Hund gebissen werde, angenommen in den ersten Tagen, muss ich zügig nach Hause oder langt eine Intervention wenn ich nach 2 Wochen wieder daheim bin? Soll ich mich in Indien sofort zu einem Arzt begeben?
Vielen Dank im voraus.

Dominus58

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Re: Tierkontakt nach Tollwutimpfung

von Cyberdoktor , 15.10.10 17:57
Hallo,

"fliege morgen nach Indien,habe u.a. meine Tollwutimpfung erhalten Mein Aufenthalt in Indien beträgt ca. 2 Wochen in denen ich intensiven Kontakt mit Land und Leute bekomme."
Wenn es in ländliche Regionen geht, und Ihre Lebensumstände vor Ort einen Tierkontakt wahrscheinlich machen, dann ist ein Tollwutschutz sinnvoll.

"Wenn ich jetzt von einem Hund gebissen werde, angenommen in den ersten Tagen,"
Gesetzt der Fall, dass Ihnen alle vorgeschriebenen Tollwutimpfungen verabreicht wurden, wären Sie sehr sicher gegen Tollwut geschützt. Es wird aber, um ganz sicher zu gehen, bei Bissverletzungen durch möglicherweise Tollwut-infizierte Tiere (oder einem Speichelkontakt mit verletzter Haut bzw. Knabbern unbedeckter Haut ohne sichtbare Bissverletzung) auch für bereits vollständig Geimpfte zusätzlich folgendes Vorgehen empfohlen: es sollten nach dem Tierkontakt zwei weitere Dosen Impfstoff verabreicht werden, je eine sofort, eine an Tag 3. Wenn die letzte Impfung mehr als zwei Jahre zurückliegt, werden sogar weitere Impfungen durchgeführt.

"muss ich zügig nach Hause oder langt eine Intervention wenn ich nach 2 Wochen wieder daheim bin?"
wenn es Anhaltspunkte für eine Tollwutgefährdung gibt, muss sofort reagiert werden.

"Soll ich mich in Indien sofort zu einem Arzt begeben?"
selbstverständlich, jeder Tierbiss muss (unabhängig von Tollwutgefahren) sofort ärztlich versorgt werden.

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Eine schöne Reise wünscht

Ihr Cyberdoktor-Team

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Tollwutimfpung nach Affenbiss

von Unbekannt , 26.10.10 06:23
Hallo Cyberdoktor,

ich wurde leider am 15.10.2010 in Thailand bei einem Ausflug von einem in Wildheit lebenden Affen gebissen. Eine kleine Bisswunde an der Hand und Kratzer am Arm.

Desinfektion erfolgte nur durch Alkohol.

Da ich leider erst am 18.10.2010 darüber informiert wurde, dass eine Tollwutinfektion möglich wäre, wurde auch die erste Impfung an diesem Tag erst durchgeführt- Impfung Verorab 0.5
2. Impfung erfolgte ebenfalls mit Verorab am 21.10.

Nun wieder zurück in Dtschl., und noch drei ausstehende Impfungen, erfolgte am 25.10. eine Impfung mit Rabipur da Verorab in Dtschl nicht erhältlich)
die letzten Impfungen sind für den 01.11.+15.11. geplant.

Nun zu meinen Fragen, lassen sich diese Impfstoffe tatsächlich miteinander kombinieren?

Ist die bisher erfolgte Impfung vielleicht schon zu spät durchgeführt worden 3 Tage zwischen Biss und 1. Dosis)?

Bisher sind noch keinerlei Anzeichen zu erkennen, muss die Impfung bis zur letzten Dosis erfolgt sein um einen Schutz zu haben?

Folglich was passiert bei Krankheitsausbruch vor Beendingung der letzten Dosis?

Vielen Dank schon mal im Voraus, leider beschäftigt mich dieses Thema schon die ganze Nacht, nachdem die Suchanfrage im Internet schon einige Horrorszenarienen dargestellt hat.

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Re: Tollwutimfpung nach Affenbiss

von Cyberdoktor , 26.10.10 11:15
Hallo,

"ich wurde leider am 15.10.2010 in Thailand bei einem Ausflug von einem in Wildheit lebenden Affen gebissen. Eine kleine Bisswunde an der Hand und Kratzer am Arm."
eine derartige Verletzung ist eindeutig ein Grund für eine sog. postexpositionelle Tollwut-Schutzimpfung, d.h. eine Impfung bzw. Behandlung nach einer Risikosituation. Da die Inkubationszeit (Zeit von Kontakt mit Infektionsquelle bis Krankheitsausbruch) der Tollwutviren mehrere Wochen beträgt, bleibt bleibt in der Regel die Zeit, den Patienten mit Impfungen vor einem Krankheitsausbruch zu schützen.

"Desinfektion erfolgte nur durch Alkohol."
besser als nichts. Generell gilt für Wunden, die im Verdacht stehen, mit Tollwutviren kontaminiert zu sein, folgendes Vorgehen: Blutfluss zunächst nicht stoppen (Wunde sollte möglichst auch nicht vernäht werden, bei schweren Verletzungen ist allerdings eine chirurgische Versorgung unumgänglich), dann folgt eine intensive Spülung, Alkohol in entsprechenden Mengen (um einen Spüleffekt zu erreichen) wäre möglich, optimal ist ein sofortiges ausgiebiges Spülen mit Wasser und Seifenlösung und anschliessender weitere Reinigung mit Alkohol (Tollwutviren werden durch Alkohol sicher inaktiviert) oder Jod.

Nach diesen Erstmassnahmen erfolgt eine aktive und je nach Einzelfall passive Immunisierung gegen Tollwut.

Im Rahmen einer derartigen Verletzung ist auch der Tetanusschutz zu überprüfen.

"Da ich leider erst am 18.10.2010 darüber informiert wurde, dass eine Tollwutinfektion möglich wäre, wurde auch die erste Impfung an diesem Tag erst durchgeführt- Impfung Verorab 0.5"
eine Bissverletzung durch ein tollwutverdächtiges Tier fällt in die höchste Gefährungskategorie III. Gemäss dem Robert Koch-Institut wird dann neben der aktiven Tollwut-Schutzimpfung (enthält Impfviren, sodass der Körper einen eigenen Schutz aufbauen kann) auch je nach Einzelfall simultan einmalig ein sog. Tollwut-Immunglobulin verabreicht (das sind fertige Antikörper, die in der Lage sind, Viren "abzufangen", passive Impfung).

Im Allgemeinen wird der Tollwutimpfstoff für die aktive Impfung nach dem Schema Tag 0 (Tag der ersten Impfung), 3, 7, 14, 28 (30, und evt. am Tag 90, je nach Impfstoff) gegeben.

"2. Impfung erfolgte ebenfalls mit Verorab am 21.10. Nun wieder zurück in Dtschl., und noch drei ausstehende Impfungen, erfolgte am 25.10. eine Impfung mit Rabipur da Verorab in Dtschl nicht erhältlich)"
Termin eingehalten. Normalerweise sollte mit dem gleichen Impfstoff weitergemacht werden. Ist das nicht möglich, wird, wie in Ihrem Fall, einfach ein anderer, von der Weltgesundheitsorganisation für die Tollwutimpfung empfohlener Impfstoff eingesetzt, es gibt keine Berichte über Probleme bei einem Wechsel der Impfstoffe.

"die letzten Impfungen sind für den 01.11. 15.11. geplant."
entspricht dem Impfschema.

"Ist die bisher erfolgte Impfung vielleicht schon zu spät durchgeführt worden 3 Tage zwischen Biss und 1. Dosis)?"
Es gilt zwar, dass nicht unnötig getrödelt und möglichst früh geimpft (vorzugsweise am Bisstag) werden sollte, das die erste Impfung aber ausnahmsweise erst nach drei Tagen gegeben wurde, sollte angesichts der langen Inkubationszeit im Allgemeinen kein Drama sein. So bezeichnet die Fachliteratur z.B. eine Impfung binnen 72 Stunden nach Biss als effektiv, siehe Hof, H., Dörries, R.: Duale Reihe: Med. Mikrobiologie, 2005 Georg Thieme Verlag). Auch die Weltgesundheitsorganisation schreibt in ihrem Tollwut Fact Sheet N°99 "Rabies"(Updated September 2010): wird nach Kontakt innerhalb weniger Tage behandelt, kann eine Erkrankung verhindert werden.

Es wird also möglichst schnell nach einer Verletzung geimpft, wenn das nicht am ersten Tag möglich ist, dann eben später, zur Not auch erst nach der Rückkehr (falls vor Ort keine Behandlung möglich war). Angesichts der langen Inkubationszeit der Tollwutviren hat der Körper in der Regel noch genug Zeit, einen Schutz aufzubauen. Daher ist bei Kontakten niedriger Gefährdungsstufe je nach Einzelfall sogar eine Beobachtungsperiode von 10 Tagen möglich, in der abgewartet wird, ob das Tier erkrankt.

"Bisher sind noch keinerlei Anzeichen zu erkennen, muss die Impfung bis zur letzten Dosis erfolgt sein um einen Schutz zu haben?"
ein vollständiger über Jahre anhaltender Schutz besteht nach der letzten Dosis, bereits nach den ersten Dosen kommt es aber zu einer Bildung von Antikörpern, die den Patienten dann akut sicher schützen.

"Folglich was passiert bei Krankheitsausbruch vor Beendingung der letzten Dosis?"
gemäss Robert Koch-Institut liegt die Schutzrate nach rechtzeitiger aktiver Immunisierung bei Bissverletzungen in der Körperperipherie (z.B. Arme, Beine) bei 100%. Wird erst sehr spät geimpft (drei Tage kann man nicht als sehr spät bezeichnen), wäre eine Erkrankung vorstellbar.

"die ganze Nacht, nachdem die Suchanfrage im Internet schon einige Horrorszenarienen dargestellt hat."
wenn Sie zu diesem Thema auf nicht ärztlich-moderierten Seiten recherchieren, sind (unnötige) Ängste vorprogrammiert. Berichten Sie hier bitte über den weiteren Verlauf, Sie helfen damit auch anderen Betroffenen.

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Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden

Ihr Cyberdoktor-Team

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Tollwutimfpung nach Affenbiss

von Unbekannt , 12.11.10 00:31
Hallo Vorgängerin) und Cyberdoktor

Mir erging es ganz ähnlich wie bei dem geschilderten Fall Dennoch herrscht bei mir eine gewisse Verunsicherung weshalb ich noch ergänzende Fragen zu der Thematik hätte

Am 27.10. wurde ich auf Koh Phi Phi - Südthailand unvermittelt von einem Kätzchen gebissen, das es sich in der Nähe eines AussichtspunktesSouvenirshops auf meinem Schoß bequem gemacht hatte. Die Folge waren einige Bissabdrücke an den Fingern sowie eine leicht blutende Wunde am Zeigefinger vo. links im Bereich des Fingernagels.

Ca. 1-2h später war ich -sicherheitshalber- beim örtlichen Hospital vorstellig, wo mir auch umgehend geraten wurde, mich impfen zu lassen.

Die kleine Wunde am Finger wurde mit Desinfektionsmittel betupft und es erfolgte eine Injektion von 0,5 ml Impfstoff, dessen Namen ich leider nicht erfragt hatte. Im Impfpass eingetragen ist Rabies 0,5ml. Die zweite Impfung am Tag 3 mit gleichem Mittel. Impfung 3 und 4 erfolgten -aufgrund der Rückreise- an Tag 8 und 15 in Deutschland Rabipur).

Nun meine Frage -ergänzend zur Vorgängerin

Es wurde KEINE Passivimmunisierung -mittels Immunglobulin- vorgenommen
Auf Nachfrage meinte mein Arzt heute, dies wäre nicht gut gewesen, aber inzwischen auch schon egal, da nun 15 Tage nach erster Impfung) ein aktiver Schutz vorhanden wäre und die Krankheit wäre schon längst ausgebrochen).

Frage Ist dies so? Würden evtl. vorhandene Erreger ab jetzt vom Immunsystem aktiv -und wirksam- bekämpft werden können?
Dient die Passivimmunisierung nur zur Überbrückung des Zeitraums bis ein aktiver, körpereigener Schutz aufgebaut ist, um ein -bei ggf. kurzer Inkubationszeit- vorzeitiges Ausbrechen zu verhindern?
Und wäre dieser Aktivschutz dann im konkreten Fall in der Lage evtl. bereits vermehrte Erreger wirksam zu bekämpfen?

Gibt es eine Möglichkeit dies untersuchen zu lassen? Da ich inzw. ziemlich beunruhigt bin, wäre ich für eine Antwort sehr dankbar

Vielen Dank und viele Grüsse

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Re: Tollwutimfpung nach Katzenbiss

von Cyberdoktor , 12.11.10 02:44
Hallo,


"auf meinem Schoß bequem gemacht hatte. "
es gilt unsere Warnung an alle Reisende in Tollwut-Länder: derartige Tierkontakte sind strikt zu vermeiden. Kein Kuscheln / Streicheln von fremden Tieren, auch nicht in der Stadt, an Sehenswürdigkeiten oder Stränden.

"unvermittelt von einem Kätzchen gebissen, Folge waren einige Bissabdrücke an den Fingern sowie eine leicht blutende Wunde am Zeigefinger vo. links im Bereich des Fingernagels. Ca. 1-2h später war ich -sicherheitshalber- beim örtlichen Hospital vorstellig, wo mir auch umgehend geraten wurde, mich impfen zu lassen."
korrekte Beratung. Tollwut- und gegebenenfalls Tetanusimpfung.

"Die kleine Wunde am Finger wurde mit Desinfektionsmittel betupft und es erfolgte eine Injektion von 0,5 ml Impfstoff, dessen Namen ich leider nicht erfragt hatte. Im Impfpass eingetragen ist Rabies 0,5ml."
Wundversorgung plus Impfung, klingt nach einer professionellen Vorgehensweise, die Ärzte in Thailand sind gut ausgebildet und wissen mit landestypischen Gefährdungen wie Tollwut gewiss gut umzugehen.

"Die zweite Impfung am Tag 3 mit gleichem Mittel. Impfung 3 und 4 erfolgten -aufgrund der Rückreise- an Tag 8 und 15 in Deutschland Rabipur)."
durchaus nach Plan. Evt. hätte man auch passiv impfen können.

"Es wurde KEINE Passivimmunisierung -mittels Immunglobulin- vorgenommen Auf Nachfrage meinte mein Arzt heute, dies wäre nicht gut gewesen"
generell bietet eine passive Immunisierung einen zusätzlichen Schutzeffekt. Im Einzelfall verzichten einige Ärzte auf diese passive Impfung (die schwerere Nebenwirkungen als eine aktive Impfung haben kann), z.B., wenn eine Infektion eher unwahrscheinlich ist, d.h. bei niedrigen Expositionsgraden mit unverletzter oder nur leicht verletzter Haut. Im Zweifel sollte man aber stets simultanen (aktiv passiv) impfen (bei hohen Expositionsgraden, d.h. tieferen bzw. blutenden Verletzungen ist die Passivimpfung Pflicht).

Die Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut rät bei einem entsprechenden Expositionsgrad zu einer sofortigen passiven Impfung (mit Antikörpern gegen Tollwutviren), ist das nicht möglich, sollte passive Immunisierung innerhalb kürzest möglicher Zeit spätestens mit der zweiten aktiven Impfung nachgeholt werden. Evt. hat eine Passiv-Impfung auch noch bis zu sieben Tage nach Beginn der Impfung einen gewissen Schutzeffekt.

"aber inzwischen auch schon egal, da nun 15 Tage nach erster Impfung) ein aktiver Schutz vorhanden wäre"
die aktive Impfung sollte in der Tat mittlerweile zu einer ordentlichen Antikörperproduktion geführt haben.

"und die Krankheit wäre schon längst ausgebrochen)."
Sie können davon ausgehen, dass die aktive Immunisierung gewirkt hat, für Ängste gibt es keinen Anlass. So pauschal kann man allerdings nicht sagen, dass eine Tollwut generell bereits nach 15 Tagen ausbricht, bei nicht geimpften Patienten dauert es meist 3–8 Wochen bis zum Ausbruch der klinischen Symptomatik, es gibt keine 15 Tage Regel. Diese sog. Inkubationszeit hängt auch vom Ort des Bisses ab.

"Frage Ist dies so? Würden evtl. vorhandene Erreger ab jetzt vom Immunsystem aktiv -und wirksam- bekämpft werden können?"
die Antikörperbildung setzt bereits kurz nach der ersten aktiven Impfung ein, nach der dritten Impfung kommt es aber normalerweise zu einer besonders starken Produktion von Antikörpern.

"Dient die Passivimmunisierung nur zur Überbrückung des Zeitraums bis ein aktiver, körpereigener Schutz aufgebaut ist"
die Antikörper aus der passiven Impfung sollen in der Tat die Viren direkt abfangen, daher wird dieser Impfstoff oft in der Nähe des Bissbereiches gegeben.

"Und wäre dieser Aktivschutz dann im konkreten Fall in der Lage evtl. bereits vermehrte Erreger wirksam zu bekämpfen?"
die Erreger vermehren sich nennenswert erst deutlich später, zunächst findet eine langsame Wanderung in Richtung zentrales Nervensystem statt. Normalerweise sind die Viren so langsam unterwegs, dass auch die körpereigene Antikörperproduktion noch rechtzeitig kommt.

"Gibt es eine Möglichkeit dies untersuchen zu lassen?"
theoretisch könnte man die Reaktion des Immunsystems auf die Impfung (die Antikörperbildung) im Labor nachweisen, das wird aber nicht gemacht, da die wiederholten Tollwutimpfungen äusserst sicher wirken.

"ich inzw. ziemlich beunruhigt bin"
unnötig. Reden Sie mit Ihrem Arzt, er kann Ihnen Ihre Ängste gewiss ausreden.

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