| Medizinforen : Frauenheilkunde |
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Unbekannt (Unregistriert) 03/01/07 01:16 |
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Gardnerella vaginalis | Antwort schreiben |
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Hallo, hatte im März 2006 Blasenentzündung. Nachdem die Schmerzen beim Wasserlassen nicht nachgelassen haben bin ich zum frauenarzt ergebnis: gardnerella vaginalis. Wurde inzwischen mit Metronidazol zwei mal, Amoxicillin, Clindastad behandelt; auch auf Pilze und Herpes Virus behandelt, und schließlich mit einer Cortisondalbe. Alles ohne Erfolg. Haben Sie noch eine Idee? Danke für Ihre Bemühungen | |||
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Cyberdoktor (stranger) 13/01/07 01:41 |
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Re: Gardnerella vaginalis | Antwort schreiben |
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Hallo, "Nachdem die Schmerzen beim Wasserlassen nicht nachgelassen haben bin ich zum frauenarzt ergebnis: gardnerella vaginalis." eine Aminkolpitis (bakterielle Vaginose) ist die häufigste Ursache der infektiösen Entzündung der Scheide (Kolpitis) bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Aminkolpitis ist eine Mischinfektion durch Bakterien vom Typ Gardnerella und Anaerobiern (Bakterien, die sich ohne Luftzufuhr vermehren). Die Anaerobier produzieren sogenannte Amine. Die Diagnose wird daher meist per Amintest, und Mikroskopisch (Nachweis von Bakterienbesatz auf den Vaginaepithelzellen, sog. clue-cells) gestellt, oft kann auch ein Fischgeruch wahrgenommen werden. ![]() Zwei bakterienbeladene Vaginaepithelzellen (clue cells) bei bakterieller Vaginose. Bild: CDC/M. Rein. Potentiell krankmachende Bakterien oder Pilze sind immer da (Gardnerella vaginalis kann bei vielen gesunden Frauen nachgewiesen werden) und dürften auch ständig den Weg in die Scheide finden. Normalerweise wird aber die körpereigene Abwehr mit den Erregern fertig, auch ist das Scheidenmilieu für eine Vermehrung nicht optimal. Der normale pH-Wert der Scheide liegt bei < 4,5, also im sauren Bereich, dieses saure Milieu wird durch die Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien) erreicht. Eine Scheideninfektion kann auftreten, wenn das Gleichgewicht der Mikroorganismen, die normalerweise die Scheide besiedeln, durcheinander kommt. Das ist der Fall, wenn in der Scheide Bedingungen vorherrschen, die das Wachstum der schädlichen Bakterien und Pilze günstig beeinflussen, meist verbunden mit einem Anstieg des ph-Wertes. Dann kann eine Bakterieninfektion (bakterielle Vaginose) oder auch Pilzinfektion (Vaginalmykose) der Scheide auffällig (Ausfluss, fischiger Geruch, Brennen und Jucken, allerdings berichten nur etwa 50% der betroffenen Frauen über charakteristische Symptome) und behandlungsbedürftig werden. Verursacht werden kann die Milieuänderung z.B. durch Verschiebungen im Haushalt der Sexualhormone. Ursächlich sein können aber auch zehrende, die Immunabwehr schwächende, Erkrankungen, wie z. B. eine Zuckerkrankheit, chronische Entzündungen (z. B. Morbus Crohn, Rheumaerkrankung). Wenn die Infektionen wie bei Ihnen über einen langen Zeitraum auftreten, sollte also auf jeden Fall beim Hausarzt eine allgemeine Diagnostik betrieben werden. Auch medikamentöse Therapien sind häufige Auslöser. Zu nennen sind hier insbesondere längerwährende Antibiotikatherapien, eine Kortisoneinnahme, weitere das Immunsystem unterdrückende Medikamente. Auch Probleme mit dem Partner oder Stress im Beruf scheinen den Hormonhaushalt und die Abwehr gründlich durcheinanderzubringen, und Scheideninfektion häufig zu begünstigen. Zu den lokalen Faktoren, die eine Infektion begünstigen können, gehören Veränderungen des natürlichen Scheidenmilieus durch Seifen/Shampoos (allgemein, nicht nur parfümiert) bzw. eine übertriebene Intimhygiene, enge Unterwäsche aus synthetischen Materialien und eine feuchte Umgebung, z.B. durch einen nassen Badeanzug aber auch Slip-Einlagen. Generell sollte auf eine gesunde Ernährung, Stressabbau, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und sportliche Betätigung geachtet werden. Es sollte Unterwäsche aus Baumwolle getragen und diese mindestens täglich gewechselt werden, auch gekochte Handtücher sind Pflicht. "Wurde inzwischen mit Metronidazol zwei mal, Amoxicillin, Clindastad behandelt; auch auf Pilze und Herpes Virus behandelt, und schließlich mit einer Cortisonsalbe. Alles ohne Erfolg." Für die Diagnose Aminkolpitis reicht allein der Nachweis von Gardnerella noch nicht (findet sich ja auch bei Gesunden), mindestens 3 der folgenden 4 Befunde müssen im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung erhoben werden: - dünnflüssiger, homogener Ausfluss (Fluor) - pH-Wert in der Scheide > 4.5 - Amingeruch des Ausfluss - Nachweis von Clue cells Erst dann muss behandelt werden, allerdings unbedingt mit Antibiotika (gemäss den aktuellen Leitlinien "Empfehlungen zur bakteriellen Vaginose in Gynäkologie und Geburtshilfe" der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe / Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe), mit einer Kolpitis ist nicht zu spassen. Sind denn bei Ihnen noch Gardnerella Bakterien nachweisbar? Oder leiden Sie einfach an wiederholten Scheideninfektionen (auf Pilze und Herpes wurden Sie ja vermutlich nur behandelt, wenn der Arzt auch Anzeichen für eine deratige Erkrankung gefunden hat)? Beste Grüsse und Alles Gute, halten Sie uns auf dem Laufenden Ihr Cyberdoktor-Team | |||
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