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Einfluss der Psyche wird unterschätzt

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören den häufigsten Beschwerden, die zu einem Arztbesuch führen, im Bundes-Gesundheitssurvey (siehe Literaturverzeichnis) klagten mehr als 39% der Frauen und 31% der Männer über Rückenschmerzen in den letzten sieben Tagen. Angesichts dieser Häufigkeit und einer wochenlangen Erkrankungsdauer sind die wirtschaftlichen Auswirkungen enorm: jährlich ca. 10 Milliarden Euro Kosten, knapp 4 Millionen Krankschreibungen, fast 100 Millionen Fehltage.

RückenschmerzenRückenschmerzen: psychische Ursachen häufig.
Obwohl die Schmerzen in der Regel selbstbegrenzend sind, d.h. auch ohne Therapie bei den meisten Betroffenen nach spätestens 6 Wochen nachlassen, leben Heerscharen von Heilern von den Schmerzpatienten, neben den Orthopäden profitieren auch alternative Behandler wie Heilpraktiker und Osteopathen, Rückentraining- und Fitnessanbieter. Die Regale mit Ratgeberliteratur quellen über, einschlägige Internetforen liefern ellenlange Behandlungslisten, siehe z.B. Tipps gegen Schmerzen.

Stress schlägt auf den Rücken

Die meisten Laien und nach wie vor auch noch viele Ärzte unterschätzen aber den Einfluss von psychischen Faktoren wie Stress und Belastungen am Arbeitsplatz bei der Schmerzauslösung, die Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz empfiehlt daher eine frühzeitige Erfassung sogenannter psychosozialer Risikofaktoren. Rückenschmerzen sind in der Regel keine Folge mechanischer Wirbelsäulenprobleme oder ernster körperlicher Erkrankungen, in knapp 90% der Fälle sind die Beschwerden unspezifisch, d.h. die Ärzte können keinen konkreten Auslöser finden (Deyo et al. 1992). Auch, wenn sich in Röntgen- oder CT-Aufnahmen Verschleißerscheinungen erkennen lassen, liefern diese Befunde keinen sicheren Hinweis darauf, dass der Auslöser der Kreuzschmerzen gefunden wurde (van Tulder et al. 1997), viele Menschen mit deutlichen Veränderungen der Wirbelsäule haben zeitlebens nur minimale oder keine Kreuzbeschwerden.

Spritze und OP bei unspezifischen Schmerzen ohne Vorteile

Da die bisherigen klassischen medizinischen Behandlungsansätze wie Krankengymnastik, Schmerzmittel oder gar Operationen bei unspezifischen Beschwerden häufig nicht zu einer entscheidenden Verringerung der Krankheitszeit beitragen („Rückenschmerzen: Viele Therapieverfahren nicht effektiv“), gehen die Mediziner mittlerweile dazu über, frühzeitig nach Auslösern wie Stress oder sonstigen Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens zu suchen. Den Patienten werden dann spezielle Programme zur Schmerzbewältigung angeboten. Die Betroffenen lernen dabei, Auslöser im psychischen Bereich zu erkennen (z.B. berufliche Belastungen) und zu bewältigen, ausserdem wird erlernt, die Schmerzen als normales Ereignis zu akzeptieren, dass früher oder später die meisten Menschen betrifft und trotz der Beschwerden weiter aktiv zu bleiben.

Fazit: mit lockeren Sprüchen wie „da haben Sie aber einige Abnutzungserscheinungen im Röntgenbild“ können Ärzte Patienten zu einer Konzentration auf das Körperliche und meist eher schädlichen Vermeidungsstrategien verleiten. Wenn keine ganz konkreten spezifischen Ursachen gefunden wurden, sollten Rückenschmerzpatienten mit dem Arzt diskutieren, ob evt. private und berufliche Probleme hinter den Schmerzen stecken bzw. diese verstärken können. Eine frühzeitiges Management dieser Belastungsfaktoren und körperliche Aktivität kann eine Chronifizierung der Schmerzen häufig verhindern.

Literatur:

- Deyo et al. 1992

- van Tulder et al. 1997

- Chronische Schmerzen [Gesundheitsberichterstattung - Themenhefte, 2002]

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Letzte Bearbeitung: 18.03.2010 von Cyberdoktor-Team (Autor)