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Arbeits- und Umweltmedizin

alte Psychotherapie wg. privater und beruflicher Orientierungslosigkeit angeben?

von Unbekannt , 28.03.14 21:26
Sehr geehrter Cyberdoktor,

ich wäre Ihnen sehr dankbar bei einer Einschätzung der Chancen auf Verbeamtung
und ob eine Angabe der Psychotherapie überhaupt erfolgen muss.

Anlass: Termin amtsärztliches Zeugnis zur Prüfung der Dienstfähigkeit bzgl. Ernennung in ein Beamtenverhältnis auf Wiederruf

Sachverhalt: Ich bin 25 Jahre alt. Nach meinem Abi 2009 habe ich eine Ausbildung zum Bankkaufmann angefangen. Ich kam überhaut nicht mit der Bankenbranche zurecht. Deshalb habe ich die Ausbildung selbst nach ca. einem Jahr gekündigt.

Zu dieser Zeit ging auch meine erste vierjährige Beziehung zu Ende und ich zog auch wegen Differenzen zwischen meinen Eltern in eine eigene Wohnung.

Während dieser Zeit entwickelte sich eine depressive Symptomatik (private und berufliche Orientierungslosigkeit).

Deshalb befand ich mich innerhalb dieses Jahres (jetzt 3 Jahre vergangen) wegen der Behandlungsdiagnose mittelgradige depressive Episode F32.1 in insgesamt 13 Therapiestunden in Psychotherapie. Die depressive Symptomatik lies sich laut Therapiebescheinigung gut bearbeiten und auflösen. Es war keine Medikation notwendig.
Seit daher ist es gelungen privates und berufliches Leben auf eine gute Basis zu stellen und es trat keine erneute depressive Phase auf. Es ist davon auszugehen, dass die langfristige Prognose gut ist.

(Abgeschlossene Ausbildung zum Industriekaufmann, danach unbefristetes Arbeitsverhältnis Industriekaufmann und eine neue Beziehung, zusammenlebend in einem Haushalt.)

Jetzt steht bei einem positivem Amtsarztzeugnis das Studium in den gehobenen Verhaltungsdienst bevor.

Wie würden Sie beim Amtsarzttermin vorgehen?

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Re: alte Psychotherapie wg. privater und beruflicher Orientierungslosigkeit angeben?

von Cyberdoktor , 28.03.14 23:39
Hallo,

"Ausbildung...gekündigt... Beziehung zu Ende...Differenzen zwischen meinen Eltern... Während dieser Zeit entwickelte sich eine depressive Symptomatik (private und berufliche Orientierungslosigkeit)."
nur Menschen mit einem sehr dicken Fell können bei mehreren beruflichen und privaten Schicksalsschlägen einfach munter weitermachen, es ist aus ärztlicher Sicht völlig normal, dass es dann zu einem Seelentief kommt, das gehört zum Leben.

"13 Therapiestunden in Psychotherapie. Die depressive Symptomatik lies sich laut Therapiebescheinigung gut bearbeiten und auflösen. Es war keine Medikation notwendig... privates und berufliches Leben...gute Basis...keine erneute depressive Phase "
prima, das wäre auch der normale Verlauf, wenn bestimmte konkrete Lebensumstände bei einen gesunden Menschen mal ein zeitlich begrenztes Stimmungstief auslösen. Bei der Bewältigung Hilfe in Anspruch zu nehmen, war auch völlig angemessen.

"Jetzt steht bei einem positivem Amtsarztzeugnis das Studium in den gehobenen Verhaltungsdienst bevor."
nach Ansprache mit dem Hausarzt gibt es, wenn keine chronischen Krankheiten vorliegen, normalerweise keinen Anlass, eine längst überwundene alltägliche Einzelepisode zu erwähnen. Siehe auch unser Themenblock Einstellungsuntersuchung Betriebsarzt: Depressionen, psychische Erkrankungen? . Geht es allerdings um eine Verbeamtung, greift die besondere Treuepflicht, die Hürde für nicht wahrheitsgemässe Antworten auf Fragen liegt dann sehr hoch. Es gibt allerdings auch für den Amtsarzt nicht zulässige Fragestellungen, der Einzelfall muss genau geprüft werden, ein Anwalt kann beraten ( Maximilian Baßlsperger 2009, Einführung in das neue Beamtenrecht, Seite 82 ).

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Beste Grüsse

Ihr Cyberdoktor-Team

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